...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!


Sagen


Der Wert der Sagen

 

Der geschichtliche, vor allem aber der heimatliche Bezug erschließt im Leser Aufmerksamkeit und Interesse. Wahrer Kern und erdichtetes Rankenwerk der Sage ermöglichen neben einer Erweiterung des heimatkundlichen Blickfeldes auch eine Aktivierung der gestaltenden Phantasie. Die Sagen laßen uns einen Blick in die Geschichte und in das Seelenleben des Volkes tun. Sie bieten einen Einblick in sein Fühlen und Denken und verraten uns etwas von seinen geheimsten Ängsten, Träumen, Hoffnungen und Vorstellungen. In ihnen erleben wir seine Furcht vor übernatürlichen Kräften und erfahren, wie sich durch die von ängstlichen Spannungen erregte Phantasie die Einsamkeit in Feld, Wald, Haus, Hof und Dunkelheit mit Gestalten und Wesen bevölkert, die sich dem Guten hilfreich erweisen, dem Bösen, Spötter, Ungläubigen und Gesetzesübertreter aber grausam bestrafen. Wir erfahren aus der Sage, wie tief im ländlich-bäuerlichen Leben der Gerechtigkeitssinn verwurzelt ist, der den Frevler schon hier auf Erden schrecklich bestraft.

 

Sagen sind ein Teil unserer Heimat; sie tradieren altes Kulturgut und sind somit Erbe unserer Vorfahren, das es zu bewahren gilt. Sie zeigen heidnisch-germanisches und christliches Glaubensgut, heimatgeschichtliche Ereignisse, Rechtsnormen und Rechtsbräuche, ländliches Brauchtum und altes Vorstellungs- und Gedankengut auf.

Prof. Dr. Oswald Watzke, ehemals Lehrer in Acholshausen und Buch, Landkreis Ochsenfurt, schreibt: "Eine Ortssage kann das Verhätnis des Kindes, des Menschen, zu seiner Heimat und Landschaft vertiefen. Durch das Kennenlernen des geschichtlichen Werdens, der kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten und Bedeutungen, die sich alle in einer Sage verdichtet haben, kann die Liebe zur Heimat wachsen." Der Lehrplan der Grundschule führt aus: "Sagen fördern das Hineinwachsen des Kindes in seine Lebenswelt, so daß sich in ihm eine Wertschätzung der Heimat als persönlicher Lebensraum bilden und festigen kann."

 

Da die orale Tradition in unserer Zeit durch die starken Medieneinflüsse zerstört wurde, gilt es die im Bewußtsein der älteren Generation noch schlummernden Sagen zu erschließen und schriftlich zu fixieren, damit sie nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

 

(entnommen aus dem Heftchen "Unterfränkische Heimat - Beilage zum Amtlichen Schulanzeiger - Sagen aus Unterfranken", Juli 1985)