...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!


Vom Geldluttern

23.01.2014 10:37

1.) In den meisten Fällen verscharrten solche Geizhälse ihr Geld im Garten, besonders in der Nähe von Backöfen, oder auch auf dem freien Felde und in Wäldern. Hier muß es alle sieben Jahre einmal vom Bösen selbst geläutert und so vom Rost gereinigt werden, was stets in der Mitternachtsstunde zwischen 11 und 12 Uhr geschieht. -

Einmal - es war in einer mondhellen Nacht - steht ein Dienstmädchen auf und will Feuer anmachen, meinend, daß es schon spät am Morgen sei. Sie kann aber keins anbekommen. Da erblickt sie durch das Fenster ein großes, bläulich schimmerndes Feuer bei ihrem Backofen, vor welchem ein riesiger, schwarzer Mann steht und eifrig mit der Schaufel handiert. Daß es der leibhaftige Gottseibeiuns war, der dort das ihm anvertraute Geld läuterte, wußte sie nicht, sie geht deshalb hin und bittet um Kohlen. Der Mann gibt ihr auch welche, aber als sie sie auf den Herd wirft, sind sie erloschen. Sie geht zum zweiten und dritten Mal hin, da aber sagt ihr der Mann, sie solle nicht wieder kommen, denn sonst würde es ihr schlecht gehen. Da legt sie sich wieder schlafen und verschläft die Zeit. Am Morgen aber fand die Hausfrau auf dem Herde eine große Menge Dukaten, die sie sich aneignete. Auch das Mädchen hat nachher noch etwas gefunden.

2.) In Wusseken hat man bisher drei solche Läuterungsstellen entdeckt, doch hat noch keiner der Hellseher gewagt, sein Glück bei dem Schwarzen zu versuchen. Eine vierte Stelle ist seit vielen Jahren auf der in der Nähe des Gartens belegenen Wurth eines Halbbauern aufgefunden, und zwar hat es hier stets am 3.Januar Abends gegen 9 Uhr geluttert. Sobald die Leute nach dem Erblicken des Feuers aber gesprochen, ist dieses augenblicklich verschwunden. In neuer Zeit ist das Geldluttern trotz alles Aufpassens nicht wieder bemerkt worden.

 

(entnommen aus "Volkssagen, Erzählungen, Aberglauben, Gebräuche und Märchen aus dem östlichen Hinterpommern", Otto Knoop, 1885)

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