...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!


Schimmelreiter

19.07.2014 21:40

Sobald der Begriff "Schimmelreiter" fällt, denkt man zuerst einmal an die Novelle "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm. Beim Schimmelreiter selbst handelt es sich aber tatsächlich um eine alte Sagengestalt, die auch in Schleswig-Holstein auftritt. Bei Theodor Storm heißt es u.a.: "Jetzt aber kam auf dem Deiche etwas gegen mich heran; ich... glaubte... eine dunkle Gestalt zu erkennen, und bald, da sie näher kam, sah ich es, sie saß auf einem Pferde, einem hochbeinigen hageren Schimmel... und im Vorbeifliegen sahen mich zwei brennende Augen aus einem bleichen Antlitz an... ich hatte keinen Hufschlag, kein Keuchen des Pferdes vernommen..."

Der Schimmelreiter ist ein "Wiedergänger", der zusammen mit den Naturgewalten erwacht und deren Verwüstungen ankündigt.

Reitet die Gestalt beispielsweise über einen Deich, kündigt sie somit einen baldigen Deichbruch an, der eine Flutkatastrophe zur Folge hätte.

Doch nicht nur im Norden, sondern auch in Süddeutschland kennt man den Schimmelreiter (z.B. im Allgäu).

Fast allenthalben in Nord- und Mitteldeutschland und auch hie und da in Süddeutschland findet sich der Brauch, daß in der Weihnachtszeit in den Dörfern eine vermummte Gestalt von Hof zu Hof zieht und dort ihre Späße treibt. Dem Darsteller, gewöhnlich einem jungen Burschen, hat man zu dem Zweck einen großen Hut aufgesetzt, vor die Brust und auf den Rücken je ein Sieb gebunden, dieselben sodann mit weißen Tüchern bedeckt und schließlich vorne einen Pferdekopf, hinten einen Pferdeschwanz befestigt. Das Ganze wird den verschiedenen Sagensammlungen zu Folge der "Schimmelreiter" genannt und soll nach der Ansicht unserer Mythologen den Umzug des Himmelsgottes Wotan in den Rauhnächten dramatisch darstellen. Auch in der ganzen pommerschen Provinz und östlich bis weit in das Ostpreußische hinein wurde dieser Brauch ebenfalls ausgeübt, jedoch lässt sich der Name "Schimmelreiter" hier nirgends finden; überall in diesen Gegenden wird die vermummte Gestalt nur der "Schimmel" genannt.

Auch im Harz kennt man den "Schimmelreiter von Ballenstedt"; hier ist er ein Mönch, der sich desnachts Pferde zum Ausreiten sucht. 

 

 

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