...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!


(Frau) Holle

19.07.2014 14:02

Die "gute Fee" Frau Holle ist eine Sagengestalt, die nicht erst durch die Gebrüder Grimm ihren Ursprung hat.
In Grimm's Märchen wird die Frau Holle als eine alte Frau mit "langen Zähnen" dargestellt. Wenn sie am Fenster ihre Betten ausschüttelt, beginnt es auf der Erde zu schneien.

In der Volkssage wird Frau Holle als ein Wesen der niederen Mythologie geschildert, das sich als Einzelgestalt aus der Schar der über das gesamte germanische Gebiet verbreiteten Hollen, Hulden usw., elbischer Geister mit ambivalenten Charakterzügen, entwickelte. Diese Kollektivwesen erscheinen als Berggeister, Wassergeister (Brunnenholde), Haus- oder Buhlgeister, die als schöne Jungfrauen Männer betören oder als unberechenbare, wilde und bösartige Geister den Menschen schaden.

Die Vorstellung von Frau Holle ist vorwiegend im hessisch-thüringischen Raum verbreitet. In den angrenzenden Gebieten wird sie durch die Gestalt der Bercht (Percht, Perchta, Frau Perchta) ersetzt, die die gleiche Funktion im Volksglauben hat. Vorwiegend in den alpenländischen deutschen Gebieten gibt es z.B. heute noch die Perchtenläufe. Menschen verkleiden sich als Perchtenwesen und ziehen mit Glocken behangen durch die Straßen. Hier ist vor allem durch "Schönperchten" und "Schiachperchten" (bösartige Wesen) zu unterscheiden. (> Perchten).

In der Gestalt der Frau Holle lässt sich eine Anhäufung der verschiedenartigsten Motive konstatieren, die zum Teil widersprüchlich sind und es schwer machen, ihr Wesen und Aussehen eindeutig zu bestimmen. Hinzu kommt, daß die Genese dieser Vorstellung unklar ist. Die mythologische Schule sah in ihr eine Wolkengöttin, die auf die germanische Frigga zurückgehe, eine Totengöttin, oder man übertrug Mond- und Sonnenmythen auf sie und interpretierte sie als Wind-, Schnee-, Nebel- oder Vegetationsdämon. Vollends schwierig wird die Wesensbestimmung dieser dämonischen Gestalt, wenn wir die Belege aus dem Märchen analysieren, wo sie eine gänzlich andere Funktion hat, nämlich die einer gütigen Märchenfee, die, mit übernatürlichen Gaben ausgestattet, die Menschen belohnt oder bestraft.

Einerseits ist Frau Holle also eine "alte, gutartige Frau", die das Wetter bestimmt. Andrerseits aber kann sie den Menschen gegenüber auch als bösartiges Wesen "mit langen Zähnen" erscheinen.

Wie in Grimm's Märchen wird der Wohnort der Frau Holle auch im ursprünglichen Volksglauben in Brunnen, Seen oder anderen stillen Gewässern verlegt. Im deutschen Lande ist ihr Wohnort der sogenannte Frau-Hollen-Teich auf dem Hohen Meißner in Hessen. Hier hütet sie auch die Seelen ungeborener Kinder. Früher sollen insbesondere junge Frauen in diesem Teich gebadet haben, wenn sie fruchtbar werden wollten. Dem Wasser wurden auch Heilkräfte zugeschrieben.

In manchen Sagen wird sie als Führerin der Wilden Jagd bezeichnet. In dieser Rolle übernimmt sie ihre bösartige Seite. Dann zieht sie in den Rauhnächten umher (Beispiel in einer Sage aus Mecklenburg).

 

 

 

 

 

 

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