...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!
Die vier Burgfräulein
14.04.2014 15:42Auf der Veste Coburg lebten vier Burgfräulein, die Töchter des Grafen Heinrich von Henneberg. Ihre edle Mutter Jutta wollte, als sie Witwe geworden, ihre Töchter nicht von sich lassen, denn es hing an ihnen ihr Herz, und sie wies daher, so viele Freier sich auch fanden, jede Bewerbung zurück. Aber bald starb Jutta und die Schwestern standen allein. Da kamen die Freier wieder und jetzt hatten sie Erfolg. Elisabeth, die ältere, wurde die Gemahlin des Grafen zu Württemberg. Katharina vermählte sich mit dem Markgrafen von Meißen. Nun hätte die dritte, die liebliche Sophie, an die Reihe kommen sollen. Aber früher als sie fand die jüngste Schwester Anna in dem jungen Burggrafen Albrecht von Nürnberg einen Bewerber. Albrecht aber gehorchte bloß den Befehlen seines Vaters, als er um die reiche, aber nicht schöne, sogar etwas hinkende Anna freite. Sein Herz war beim ersten Anblick für die reizende Sophie in heftiger Liebe erglüht. Diese aber war bereits für das Kloster bestimmt und härmte sich nun, ihr Geschick beklagend und den schönen Albrecht heimlich widerliebend, im stillen ab. Dem Scharfblick der edlen Anna war indes das unselige Verhältnis nicht entgangen und als der Hochzeitstag erschien, da trat sie nicht im Brautschmuck aus ihrem Gemache. Der einfache Schleier und das weiße Klostergewand umwallten ihre Gestalt. "Nimm ihn hin", sprach sie zu Sophie in edler Selbstaufopferung, "sei glücklich! Nicht du, die reizende Geliebte Albrechts, sollst in das Kloster gehen, mich hat der Himmel dazu bestimmt." Trotz aller Weigerung der beschämten Liebenden legte sie Sophies Hand und all ihre Göter und Schätze in die des glücklichen Albrecht. Desselben Tages schon zog Anna nach dem Kloster Sonnefeld, wo sie lange wohltätig waltete und als Äbtissin starb. Noch jetzt ist in der dortigen Kirche ihr Grabdenkmal zu sehen, auf welchem auch der eine ihrer Füße kürzer ist als der andere.
(Bähr -
entnommen aus "Es war einmal - Sammlung bayerischer Sagen und Geschichten - Erster Band, Oberfranken", 1952)
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