...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!
Die Schwedenmauer
13.05.2014 10:58Westlich von Mährisch Trübau erhebt sich der langgestreckte Kamm des Schönhengst. Nach Osten fällt dieser Gebirgszug steil ab, indem er oft mächtige Felsmauern bildet, nach Westen gegen Zwittau ist sein Gefälle flach. Dichte Waldbestände bedecken seine Hänge und reichten in vergangenen Jahrhunderten bis an die Stadtmauern von Trübau und Zwittau, so daß die Bewohner das ganze Gebiet den "Großen Wald" hießen. Durch diesen Wald führte seit altersher die Straße über den Schönhengster Sattel, einige hundert Meter südlich einer wilden Felswand, die den Namen Totenwand oder auch Schwedenmauer führt. An sie knüpft sich folgende Sage:
Im Dreißigjährigen Krieg wollte eine schwedische Reiterschar die Stadt Zwittau überfallen. Weil die Schweden des Weges unkundig waren und weil tiefer Schnee lag, verirrten sie sich und die wilden Gesellen waren darüber so ergrimmt, daß sie schworen, dafür die Zwittauer bitter entgelten zu lassen. Schon war der feindliche Schwarm nicht mehr weit von Zwittau entfernt, da senkte sich dichter Nebel über das tief verschneite Waldland, und die Schweden verloren neuerdings die Richtung. Fluchend ritten sie kreuz und quer, bis sie wiederum droben auf dem Schönhengster Pass die Straße erreichten. Hier stand ein einsames Wirtshaus. Sogleich trommelten sie den Wirt heraus und zwangen ihn unter Androhung des Todes, sie auf kürzestem Weg nach Zwittau zu führen. Sie banden ihn auf ein reiterloses Pferd und jagten mit ihm hinaus in die neblige Winternacht. Indessen begann ein dichtes Schneetreiben und die Schweden, auf ihren Führer vertrauend, frohlockten, da sie glaubten, bei einem solchen Wetter um so leichter die ahnungslose Stadt überrumpeln zu können. Dafür war dem Gefangenen nicht wohl zumute. Immer wieder mußte er daran denken, welch schreckliches Unheil durch seine Mitschuld über Zwittau hereinbrechen würde. Dazu hatten sein eigenes Weib und Kind in der Stadt Zuflucht gefunden. Schreckensbilder der brennenden und geplünderten Stadt stiegen vor seinem Auge auf, und in das Heulen des Wintersturmes glaubte er das Ächzen und Stöhnen der niedergemachten und geschändeten Menschen zu hören. Da beschloss er, sich zu opfern und zugleich den Feind zu verderben. An der Spitze der Reiterschar jagte er, von der Straße abbiegend, jener steil abfallenden Felswand zu. Droben angekommen, gab er seinem Pferd die Sporen, und dieses sprang weit hinaus in das weiße Nichts, und Roß und Reiter zerschellten unten in der Tiefe. Unkundig der drohenden Gefahr sprengten ihm die schwedischen Reiter nach und fanden, so wie ihr Führer, den Tod in jenem tiefen Abgrund.
So hatte die Tat jenes Wirtes die Stadt Zwittau vor dem Überfall bewahrt. Noch grünen und rauschen die alten Bäume droben an den Berghängen, drunten aber am Fuße des Abgrundes, der seit jener Zeit "Schwedenmauer" heißt, kann man auch noch heute, Knochen, Hufeisen, verrostete Sporen und Sattelschnallen finden.
(entnommen aus "Die schönsten Sagen aus dem Schönhengstgau", Dr. Gustav Korkisch, 1953)
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