...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!


Die Sage von der großen Glocke in Friedland

11.05.2014 17:49

Aufgezeichnet von Dellea.

 

Um das Jahr 1450 sah es in unserer Heimat noch ganz anders aus als heute. In mächtigen Wäldern hausten noch Wolf und Bär, und da, wo heute Häuserviertel stehen, erstreckten sich große Schutthalden von den Bergwerken und Gießereien. Aber leider waren die Werke bereits dem Untergang geweiht, und es drohte Arbeitslosigkeit einzutreten. Ein Großteil der Bevölkerung verlegte sich daher auf den Handel. In dem Waldgebiete zwischen Lobnig und Friedland stand früher eine prächtige Ansiedlung, genannt Einsiedel. Aus einer Einsiedelei entstanden, bevölkerte der Ort sich bald und wurde ein im Walde gelegenes ländlich friedliches Fleckchen. Leider hatte der Ort keinen langen Bestand. Es brach die Pest aus, viele der Einwohner starben, die übrigen verzogen sich, und die Hütten und Häuser standen leer. Auf Befehl des damaligen Herrschaftsbesitzers wurde der Ort preisgegeben und vernichtet. Die Hauptverbindungsstraße oder der Heerweg ging damals von Lobnig seitwärts der verfallenen Ansiedlung "Einsiedel" nach unserer Heimat Friedland. Eines schönen Sommertages, etwa 200 Jahre später, zog ein Borstenviehhändler mit seiner Herde und mit Wächtern die Heeresstraße von Lobnig nach Friedland. In nächster Nähe des verfallenen Ortes machte der Händler mit seiner Schar im Waldesschatten Mittagsrast. Die Männer ließen sich ihren Imbiss an der köstlichen Waldquelle gut munden, während sich die Schweine an den Früchten der Buchen ergötzten. Lautes Grunzen und Quietschen ertönte ringsumher. Plötzlich merkte einer der Treiber ein emsiges Wühlen und Scharren der Schweine. Aufmerksam geworden, sah er nach und fand zu aller Erstaunen, im Waldhumus versunken, eine schöne, große Glocke. Da der Platz schon zum Friedländer Gebiet gehörte, machten die Händler davon bei ihrer Ankunft in der Vogtei in Friedland die Meldung, und sogleich machte sich eine ansehliche Zahl Friedländer mit Werkzeug und Fuhrwerk auf und schafften unter großen Mühsalen freudig die schöne Glocke heim, wo sie unserer noch sehr armen Kirche einverleibt wurde. Sie harmonierte im Klange mit den anderen Glocken, und es war eine Freude, sie zu hören. Wie der Volksmund sagt, sangen die Glocken: "Sau und Burg, ausgewühlt." Im Einzelgeläute sang die Glocke: "Sau grub, Burg fund." Viele Freude und Leid hat diese Glocke erlebt. Leider hat auch der unselige Weltkrieg uns um diese so schöne Glocke gebracht. Ist sie uns auch genommen, im Volksmunde wird ihr Andenken nie aussterben. - Diese Mär von der durch eine Sau herausgewühlten Glocke ist auch in anderen Gegenden heimisch.

 

(entnommen aus "Römerstadt und das Römerstädter Ländchen - Ein Bild der uns geraubten Heimat", Dr. Franz Tutsch, 1964)

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