...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!


Der Stand der Unschuld

20.01.2014 10:58

Vor grauen Jahren lebte ein Mensch, dessen Heimath und Wohnort das unendliche Meer war, das er auf einem Pfahl von einem Ende zum andern befuhr. Eines Tages trieben die Wogen ihn ans Land, und fort fand er zu seinem Erstaunen ein Wesen, wie er es bis dahin noch nie gesehen hatte, - einen Menschen. Dieser wunderte sich nicht minder über das wunderbare Aussehen des Ankömmlings und seines Fahrzeuges und kreuzte sich, als er erfuhr, daß jener, in großer Unwissenheit aufgewachsen, von Gott nichts wisse. Aus Mitgefühl brachte er ihm das Vaterunser bei und lehrte ihn mit kurzen Worten des Menschen Wesen und Bestimmung kennen. Dem fremden Ankömmling gingen auf einmal die Augen auf. Er begab sich wieder auf das Meer, aber siehe! es trug ihn nicht mehr. Mit dem Vaterunser lernte er auch seine Schwäche erkennen, und nie gelangte er zu seiner früheren Kraft wieder. - (Aus Gilgenburg)

 

(entnommen aus "Aberglauben aus Masuren mit einem Anhange, enthaltend: Masurische Sagen und Mährchen", Dr. M. Toeppen, 1867)

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