...herrlich ist dies Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim!
Literatur
Volkslesestoff im weitesten Sinne ist das gesamte volkstümliche, durch Lektüre allen und jedem vermittelbare, nationalsprachliche Prosaschrifttum. Es umfaßt Vertreter sämtlicher erzählender Literaturgattungen, vom Werke der hohen Literatur an, dessen Kennzeichen in der künstlerischen Qualität, im ästhetischen Werte liegt, bis hinunter zum Gegenstand literarischen Warenvertriebs und zum Erzeugnis selbst der verantwortungslosen Literaturfabrikation. Volkslesestoff kann volkstumsgemäß im besten, er kann populär im guten, vulgär im schlechtesten Sinne sein. In ihm sind Werke vertreten, die auf das innigste mit allen erdhaften und heimatnahen Instinkten des Bauern wie des Städters verbunden sind und dem unverdorbenen Gemüt und der gesunden Einfalt dauernd zum Besitz bleiben - denken wir nur an die Bibel, das Volkslesebuch der sit der Erfindung des Buchdrucks verflossenen Jahrhunderte schlechthin, an die Hauspostille, an den Volkskalender: Und wir haben damit die Bestandteile des Bücherschatzes eines Bauern vor uns, soweit er ihm von selbst zugewachsen und nicht zu ihm eingeführt ist -; in ihm kommen auf der andern Seite Dinge der verschiedensten Art zusammen: Lesestoff, der der Unterhaltung, dem Zeitvertreib, dem Bedürfnis, sich leicht und billig rühren oder erschüttern zu lassen, der Sensationslust, der Neugierde, dem primitiven Wissensdurst, irgendwelchen sozialen Sehnsüchten, dem Trieb, in die Ferne zu schweifen, ohne viel Widerstände und bequem zu Diensten steht. Er umfaßt letztlich auch literarische Erscheinungen, von denen es oft nicht mehr zum Bewußtsein kommt, daß sie zur Literatur gehören. Damit aber eröffnet sich unserer Betrachtung ein weites Feld. Denn als Volkslesestoff begreifen sich ebenso gewisse Elemente der Tageszeitung in Stadt und Land wie die Reiseschilderung, der Liebesroman ebenso wie der Schwank, das Erbauungsbuch ebenso wie der Schmöker, das Spruchbüchlein ebenso wie die kolporierte Hintertreppengeschichte und die Kriminalnovelle, das Indianerbuch ebenso wie das Textblättchen des Bänkelsängers.
